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...es brummt im Landkreis Kassel!

....es Brummt Im LandkreisEine kleine Anleitung für mehr Insektenfreundlichkeit in Garten und Balkon

Vielfalt und Artenreichtum unserer Natur erhalten

Die Honigbiene, meist einfach Biene genannt und ihre wilden Verwandten (von denen es allein in Deutschland etwa 580 Arten gibt) dazu zählen auch die Hummeln, aber auch andere Insekten wie Käfer, Fliegen, Mücken und Schmetterlinge leisten einen unschätzbaren Beitrag für den Erhalt stabiler Ökosysteme. Sie spielen eine zentrale Rolle für die Vielfalt der Blütenpfl anzen und die Bestäubung unserer Kultur- und Wildpfl anzen, die ihre Samen zur Vermehrung und Früchte nur dann ausbilden, wenn sie zuvor bestäubt wurden. Erst dieses Zusammenspiel ermöglicht den Reichtum an Früchten wie Obst und Gemüse und leistet damit einen unersetzlichen Beitrag zur Sicherstellung unserer Ernährung.

Die Zahl und Vielfalt bestäubender Insekten geht seit einigen Jahrzehnten dramatisch zurück mit folgenschweren und ernst zu nehmenden Auswirkungen auf die Vielfalt und den Artenreichtum unserer Natur und die damit verbundene Produktion unserer Nahrungsmittel. Ein Anlass zur Sorge, der unterschiedliche Ursachen hat.

Fehlendes Nahrungsangebot, der Verlust ihrer Lebensräume, Pflanzenschutzmittel und ungünstige Voraussetzungen für die Fortpfl anzung bringen unsere bestäubenden Insekten immer mehr in Bedrängnis.

Diesen Folgen können wir alle zum Beispiel durch den gezielten Einkauf von regionalen oder Bioprodukten aus ökologischer und artenreicher Herstellungsweise entgegentreten.

Der Landkreis Kassel erkennt die Notwendigkeit zum Erhalt und zur Stärkung der biologischen Vielfalt vor Ort. Wir wollen uns aktiv einsetzen und sehen in der Förderung der bestäubenden Wildtierarten im Offenland und im Siedlungsbereich mehr als nur eine Herzensangelegenheit. Unsere Aufmerksamkeit wollen wir auf den Lebensraumerhalt und die Schaffung natürlicher Strukturen richten.

Alle können etwas tun … was brauchen die Insekten denn überhaupt?

Wildbiene-pixabayOb im Hausgarten, an Freiflächen von Unternehmenstandorten oder öffentlichen Einrichtungen, in einem strukturreichen und vielgestaltigen Naturraum fi nden die Bestäuberinsekten eher Nahrung, Unterschlupf und Nistmöglichkeiten als anderenorts. Abwechslungsreiche ganzjährige Strukturen und Blütenpfl anzen bringen Leben in den Garten. Davon profi tieren auch andere heimische Tierarten, wie zum Beispiel der Zaunkönig und der Igel.

Heimische Wildbienen und andere Insekten brauchen natürliche Nahrungsquellen. Sie sind angewiesen auf heimische Pfl anzen, deren Pollen und Nektar sowie ein kontinuierliches Blühangebot von Frühjahr bis spät in den Herbst. Jede Blüte zählt … wo Wildbienen und Co. ein üppiges Angebot finden, erfahren Sie hier im Überblick.

Darüber freuen sich Wildbienen und andere Insekten Hilfreich und wichtig
Wildstauden Küchen-, Gewürz- und Heilkräuter
  • Heimische Wildstauden- und Gräser regionaler Herkunft
Hecken, Sträucher und Beerenobst
  • Heimische Pflanzen regionaler Herkunft
Obstbäume
  • Heimische Obstgehölze
  • Alte, regionale Sorten
  • Hochstämme

(Wild-) Blumenwiese und Blühstreifen


Obstbäume mit Wildblumenwiese und Streuobstwiese

  • Saatgutmischung aus heimischen Wildblumen-, Wildgräser- und Wildstaudenarten
  • Regionale, gebiets- eigene Herkunft
  • Hoher Anteil mehr- jähriger Kräuter
  • Mehrjährig angelegt
  • 2 x Mähen (ab Juni und Ende August)

Tipps:

  • Im Fachhandel gezielt Beratung einholen, um möglichen Enttäuschungen vorzubeugen.
  • Für Saatgut und Pfl anzen Qualitätsware aus regionalem Handel verwenden.
  • Informationen beim Fachdienst Landschaftspflege des Kreises anfordern.


Der Abstand zwischen Nahrungspflanzen und Nistplatz ist artenspezifi sch begrenzt, eng verzahnt und liegt idealerweise bei nur ca. 200 bis 1.000 m. Das Überleben der Bestäuberarten hängt also von einer eher kurzen Entfernung von Blütennahrung zur Niststätte und schließlich dem Angebot an Nistmaterial ab. Daher bieten sich durchaus auch kleinere Flächen an, um den bestäubenden Insekten dort ein vielfältiges Nebeneinander von Pfl anzen und Kleinstrukturen anzubieten.

Insektenhaus © pixabayDiese Strukturen helfen, artspezifisch geeignete Unterschlupf- und Nistplätze sowie natürliche Lebensräume entstehen zu lassen:

  • Offene Sand-, Lehmbodenflächen
  • Vegetationsarme oder freie Bodenstellen
  • Naturstein-Trockenmauern – fugenlos oder lehmverputzt
  • Bruchstein-, Erdhaufen und Mauerwerk mit offenen Fugen und Spalten
  • Großzügige sandige Fugen zwischen Terrassenplatten und Pflastersteinen
  • Ungepflasterte, ungeschotterte Wege und Wegeränder
  • Hochbeete und Kräuterspiralen mit Mauerritzen
  • „Wilde Ecken“ aus Ästen und Stängeln, verwelkten Blüten, Ranken, Laubresten
  • Mürbes Totholz, Holzstapel und Baumhöhlen
  • Wasserstellen und Feuchtzonen
  • Nisthilfen aus dem Fachhandel


Der vielleicht einfachste Weg, den bestäubenden Arten zu helfen, ist eine sensible Sichtweise zu entwickeln und den Mut aufzubringen, die bisher praktizierte gärtnerische Pfl ege zu ändern oder ein wenig zu „vernachlässigen“. Es lohnt sich allemal, die Gestaltung des Gartens oder der Freifl äche mehr an den Bedürfnissen der Natur auszurichten und hiermit die Lebensgrundlagen für Wildbienen und andere Insekten zu verbessern.

Das mögen Wildbienen und andere Insekten nicht so sehr:

  • Monotone reine Zieranlagen aus kurz- gehaltenem Rasen und pflanzenarme Schottergärten, da diese als Lebensraum ungeeignet sind.
  • Gebietsfremde und exotische Pflanzen, weil sie keine passende Nahrungsquelle und daher nahezu nutzlos sind.
  • Gefüllte Blüten, da diese keinen Pollen und Nektar produzieren und daher wertlos sind.
  • Pflanzenschutz-, Schädlingsbekämpfungs- mittel und Mineraldünger, weil diese schädlich sind.
  • Laubsauger und -bläser, die eine mögliche Todesfalle sind.


Und wenn einmal nicht so viel Platz zur Verfügung steht, besitzen gerade auch Balkon und Terrasse oder Hausfassade eine echte Anziehungskraft. Auch Vielfalt auf engstem Raum bietet bestäubenden Insekten Futter, eine Nistgelegenheit und vielleicht sogar ein Winterquartier. Hier darf es ranken, kriechen und hängen, dauer- oder früh- und spätblühen, immergrünen, duften und vertrocknet oder farbenfreudig sein:

  • Klassische Bepflanzung von Balkonkästen und Pflanzgefäßen – jedoch mit insektenfreundlichen heimischen Arten
  • Aussaat einer Blumenwiese, eines Blühstreifens – auch auf kleinstem Raum
  • Wildkräuter- und Wildstauden (mehrjährige) in Kübeln und Trögen
  • Heilkräutertöpfe
  • Grüne berankte Wände, Balkongitter, Geländer und Spaliere
  • Balkonteich im wasser-dichten Gefäß oder Fass u. v. m.


Natürlich haben alle etwas davon

Wir alle sind aufgerufen zur Aufmerksamkeit und zum praktischen Einsatz für den Artenschutz – im eigenen Interesse und im Interesse der Natur.

Vor Ort sind etwas Phantasie, die Beschäftigung mit dem Thema und ein überschaubarer Pflegeaufwand gefragt. Der jeweilige Anlass, einen Beitrag zum Artenschutz zu leisten, mag unterschiedlich persönlich motiviert sein, attraktiv ist er allemal.

Ob naturnaher Garten, artenreiche Außenanlage, Blumenwiese oder Naturgartenbalkon: Natur fasziniert uns mit ihrer Schönheit, Farbenpracht und Vielfalt in allen Jahreszeiten. Helfen Sie mit, diese Schönheit zu erhalten!

Vor Ort kann die Vielfalt der Natur im Besonderen dann bewahrt werden, wenn die Blütenbestäubung lokal geleistet wird. Auf die Blüte folgen Samen und Frucht, und später im Jahr können wir uns über eine reiche Ernte mit Äpfeln, Kirschen und Beerenobst oder den von Honigbienen produzierten Honig freuen.

Die Natur sorgt für unsere Ernährung mit wertvollen Inhaltsstoffen, sie lädt uns ein zum Beobachten, Erleben und zum Genießen ihrer Produkte … machen Sie mit!
 


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