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Wildbienen - kurz & knappLogo Es Brummt Im Landkreis Mit-text

Das Wichtigste zu Ernährung und Lebensweise, Nistplätzen, Entwicklung und Besonderheiten der Wildbienen.

Was sind Wildbienen?

Wildbiene-02-pixabayAlle Bienen Deutschlands sind Wildbienen - nur die Honigbiene nicht. Honigbienen fliegen zwar frei umher, werden aber von Imkern betreut und können wild nur kurz überleben.

In Deutschland gibt es etwa 580 Arten wilde Bienen, von der 4 mm kleinen Steppenbiene bis zur 4 cm langen Holzbiene. Die meisten Arten sind Sand-, Schmal-, Mauer- und Löcherbienen oder Hummeln.

Alle Bienenarten stehen unter Naturschutz und es ist verboten, sie zu fangen oder gar zu töten. Auch dürfen ihre Nahrungsgrundlagen und Niststätten nicht beeinträchtigt oder zerstört werden.

Doch seit Jahrzehnten gehen Vielfalt und Zahlen bestäubender Insektenarten zurück … und mit ihnen die der Wildbienen. Über ein Drittel aller Wildbienenarten in Deutschland sind bereits bestandsgefährdet!

Ernährung

Wildbienen sind Vegetarier. Sie ernähren sich ausschließlich von Blütenprodukten: zuckerhaltigem Nektar und eiweißreichem Blütenstaub (Pollen). Manche nutzen auch Blütenöl. Menschliche Lebensmittel wie Kuchen oder Steak interessieren sie nicht.

Lebensweise

Nur ein Zehntel aller Wildbienen-Arten leben gruppenweise zusammen (z.B. als Hummelvolk), die allermeisten Arten leben einzeln (Solitärbienen). Solitäre Wildbienen-Weibchen sind für 4- 11 Wochen als flugfähige Insekten unterwegs. In dieser Zeit paaren sie sich. Bald nach der Paarung sterben die Männchen und die Weibchen suchen allein nach geeigneten Nistmöglichkeiten.

Nistplätze

Etwa 3/4 der deutschen Wildbienenarten nisten im Erdboden. Diese Arten finden kaum noch ungestörte Plätze und sind am stärksten vom Aussterben bedroht. Andere Wildbienenarten nutzen röhrenartige Strukturen und haben sich auf Pflanzenstängel, Käfergänge in Holz, gerollte Blätter, Mauerritzen oder leere Schneckenhäuser spezialisiert.

Entwicklung

Ist ein artgerechter Nistplatz gefunden oder gebaut, sammelt die Wildbienen-Mutter Proviant für ihren Nachwuchs. Sie muss geeignete Blüten finden und Nahrung ins Nest bringen. Hat sie genug Vorrat zusammen, legt die Wildbiene ein winziges Ei darauf und verschließt die Brutkammer mit einer Wand. Sie beginnt hinten in der Röhre und baut immer wieder eine Brutkammer mit Proviant, Ei und Trennwand davor bis die Röhre voll ist. Nicht nur der benötigte Blütenstaub, auch das Baumaterial für die Trennwände ist von Art zu Art verschieden.

Bald nach der Eiablage stirbt die Wildbienen-Mutter und muss ihre Kinder dem Schicksal überlassen. Wenn alles gutgeht, frisst der Nachwuchs seine Vorräte auf und wächst zur Larve heran. Dann durchläuft er alle Entwicklungsstadien bis zum fertigen Insekt. Nun ruhen die Tiere in den eng gewordenen Kammern bis ihre Zeit gekommen ist: Je nach Wildbienenart im Frühling, im Frühsommer, im Sommer oder im Spätsommer. Nun nagen sich die jungen Wildbienen ins Freie und der Entwicklungszyklus beginnt von neuem.

Besonderheiten

Damit aus den Eiern im nächsten Jahr flugfähige Jungtiere ausschlüpfen können, brauchen sie artgerechte Nahrung. Ein Teil des Nahrungsvorrats besteht aus Blütennektar, hierbei sind Wildbienen wenig wählerisch.

Anders sieht es beim Blütenstaub aus: Etwa 1/4 der Wildbienenarten benötigt dafür bestimmten Pflanzenfamilie, z.B. Lippenblütengewächse oder eine bestimmte Pflanzengattung z.B. Weiden. Es gibt sogar Wildbienenarten, die nur von einer einzigen Pflanzenart leben können z.B. der Zaunrübe.

Für jedes Ei muss die Wildbienen-Mutter Pollen von mehreren hundert Blüten sammeln. Selbst bei besten Bedingungen kann sie nur 10 bis maximal 30 Brutkammern anlegen. Daraus schlüpfen meist nur wenige Nachkommen, denn sie werden leicht von Pilzkrankheiten befallen. Außerdem werden viele Larven Opfer von Raubinsekten, die wiederum auf bestimmte Wildbienen angepasst sind.

Etwa 1/4 aller Wildbienenarten sammeln als sogenannte “Kuckucksbienen” keine eigenen Vorräte: Sie schmuggeln ihr Ei auf den Proviant einer andern Wildbienenart. Damit der untergeschobene Nachwuchs gedeiht, sind die Arten eng aneinander angepasst. Das bedeutet, dass bei Nahrungsmangel beide Arten sterben.

Wie gefährlich sind Wildbienen?

Hummeln leben zeitweise als Volk. Sie verteidigen ihr Nest wenn z.B. ein unachtsamer Mensch hineintritt.

Einzeln lebende Wildbienen kämpfen jedoch nicht um ihre Brut. Sie stechen nur, wenn sie selbst akut bedroht sind. Und auch dann ist der Stich meist nicht so schmerzhaft wie bei Honigbienen. Bei manchen Arten ist der Stachel sogar zu schwach, um die menschliche Haut zu durchdringen.

Solitäre Wildbienen und ihre Nester sind daher nicht bedrohlich. Aus diesem Grund können für sie auch z.B. an Kindergärten und Schulen Insekten-Nisthilfen angelegt werden.

Wozu sind Wildbienen gut?

Wildbienen findet man in allen Regionen Deutschlands, von der Tiefebene über die Mittelgebirge bis ins Gebirge. Weil sich alle Wildbienen ausschließlich von Blüten ernähren, sorgen ihre Besuche auch für Befruchtung.

Dafür hat jede Wildbienenart ein festgelegtes Zeitfenster im Jahr. Etwa 1/3 der pollensammelnden Arten sind zudem auf bestimmte Pflanzen oder Pflanzengruppen angewiesen. Zudem müssen pollensammelnde Wildbienen-Mütter je Ei oft mehrere hundert Blüten besuchen; d.h. für sie zählen ein reiches Blütenangebot und jahreszeitlich versetzte Blüh- und Fruchtfolgen.

Verständlich, dass Wildbienen besonders effiziente Bestäuber von Wildkräutern, Obstbäumen, Beerensträuchern und Feldfrüchten sind.

Honigbienen allein könnten diese gewaltige Aufgabe nicht erledigen. Von Krankheiten und Parasiten bedroht, gehen auch ihre Bestände immer mehr zurück.

 

Quellen: Westrich, Paul “Wildbienen, die anderen Bienen”, Pfeil Verlag (2011); Zurbuchen, Antonia “Lebensräume für Wildbienen” Birdlife Naturschutztagung (2014); Sabine Kohlstadt
 


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